{"id":105,"date":"2017-12-23T17:20:02","date_gmt":"2017-12-23T16:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/192.168.178.60\/wordpress\/?page_id=105"},"modified":"2018-01-09T14:19:13","modified_gmt":"2018-01-09T13:19:13","slug":"brief-eines-stuka-piloten-an-die-frau-1941","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kyffhaeuser-kameradschaft-ritterhude.de\/?page_id=105","title":{"rendered":"Brief eines Stuka Piloten an die Frau (1941)"},"content":{"rendered":"<h3>Ein Brief von Heinz Kahl, gefallen als Stukapilot am 18.April 1941 \u00fcber Griechenland<\/h3>\n<p>Im Felde 16.April 1941<\/p>\n<p><em>\u201eLiebste beste Antjefrau,<\/em><\/p>\n<p><em>Ich sitze in der Maschine, weil es regnet und keine M\u00f6glichkeit vorhanden ist, sich vor der N\u00e4sse zu sch\u00fctzen, es sei in unserem Erdloch, in dem wir \u00fcbernachten. Dort ist jedoch so dunkel, das an schreiben oder lesen gar nicht zu denken ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir liegen in einem tiefen Talkessel, umringt von schneebedeckten hohen Bergen. Augenblicklich ist alles grau und finster, hier in den schwarzen Bergen der griechischen Hochalpen ist noch unber\u00fchrte Wildnis, das Land ist nahezu unbewohnt. Von hier fliegen wir unsere Eins\u00e4tze gegen die serbischen und griechischen Bergfestungen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn die Trennung von Dir und unserem Sohn nicht w\u00e4re, so w\u00fcrde ich diese Zeit f\u00fcr die sch\u00f6nste und interessanteste meines Lebens halten. Stell Dir vor: Wie die Adler hier oben horsten wir in den Bergen, und sto\u00dfen wie Blitze aus heiterem Himmel mit Sirenengeheul auf die Engl\u00e4nder, Griechen und Serben herab. Du kannst nicht ermessen, wie furchtbar und entnervend die Stukas auf alle Menschen wirken, es gibt viele Soldaten die nach einem Stukaangriff irrsinnig geworden sind. Wahrhaft ersch\u00fctternd ist es f\u00fcr uns wenn wie erleben m\u00fcssen, dass es noch tapfere Menschen genug gibt, die bis zum letzten Augenblick Ihre Maschinengewehre und Kanonen auf uns richten. Alle Achtung vor solch ein Heldentum! Ich habe wirklich jedes Angstgef\u00fchl im Lauf dieses Krieges, aber ich glaube einem Stukaangriff in keiner Weise gewachsen zu sein, ich w\u00fcrde restlos versagen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin mit meiner guten treuen Maschine so vertraut geworden, behandelt wird sie wie ein rohes Ei. Noch nie hat sie versagt, und wird mich hoffentlich unbeschadet immer wieder nach Hause bringen. Als wir auf Belgrad eingesetzt waren, habe ich zum ersten Male gesp\u00fcrt, dass es ein Schicksal gibt, dem man nicht entrinnen kann. Neben mir flog Oberleutnant Hackfeld, ein pr\u00e4chtiger Mensch und Offizier. Er war mein Freund geworden und wir waren unzertrennlich. Beim ersten Einsatz bekam er drei Kanonentreffer und au\u00dferdem ca. 100 Einsch\u00fcsse. Die Engl\u00e4nder fliegen mit Bravour und er kam mit Ach und Krach noch nach Hause. Was das hei\u00dft, sich mit einem J\u00e4ger herumzubalgen und nicht abgeschossen zu werden, kann nur ein Kenner beurteilen. Beim zweiten Einsatz zerplatzte ein Flakgeschoss unter seinem Rumpf. Als wir zum dritten Einsatz starteten, habe ich Ihn gebeten zu Hause zu bleiben, nat\u00fcrlich lachte er mich aus. Mitten im Sturz, wir griffen die Zitadelle an, riss ein Flaktreffer ihm die linke Fl\u00e4che weg und etwa sechs Sekunden sp\u00e4ter zerplatzte die Maschine mitten im Fort Belgrad. Die f\u00fcnf Bomben an Bord haben ihre Pflicht getan!!!<\/em><\/p>\n<p><em>Ich bin mit meiner guten treuen Maschine so vertraut geworden, behandelt wird sie wie ein rohes Ei. Noch nie hat sie versagt, und wird mich hoffentlich unbeschadet immer wieder nach Hause bringen. Als wir auf Belgrad eingesetzt waren, habe ich zum ersten Male gesp\u00fcrt, dass es ein Schicksal gibt, dem man nicht entrinnen kann. Neben mir flog Oberleutnant Hackfeld, ein pr\u00e4chtiger Mensch und Offizier. Er war mein Freund geworden und wir waren unzertrennlich. Beim ersten Einsatz bekam er drei Kanonentreffer und au\u00dferdem ca. 100 Einsch\u00fcsse. Die Engl\u00e4nder fliegen mit Bravour und er kam mit Ach und Krach noch nach Hause. Was das hei\u00dft, sich mit einem J\u00e4ger herumzubalgen und nicht abgeschossen zu werden, kann nur ein Kenner beurteilen. Beim zweiten Einsatz zerplatzte ein Flakgeschoss unter seinem Rumpf. Als wir zum dritten Einsatz starteten, habe ich Ihn gebeten zu Hause zu bleiben, nat\u00fcrlich lachte er mich aus. Mitten im Sturz, wir griffen die Zitadelle an, riss ein Flaktreffer ihm die linke Fl\u00e4che weg und etwa sechs Sekunden sp\u00e4ter zerplatzte die Maschine mitten im Fort Belgrad. Die f\u00fcnf Bomben an Bord haben ihre Pflicht getan!!!<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Oberltn. Hackfeld und Unteroffizier Parisi sind spurlos ausgel\u00f6scht. Daf\u00fcr werden sie in unserer Erinnerung leben als Vorbilder, solange wie selbst noch fliegen k\u00f6nnen. Was sind alle Strapazen und Entbehrungen denen wir unterworfen sind. Alles ist vergessen sobald wir wieder zu Hause sind, das freuen darauf l\u00e4sst alles leicht ertragen. Sengende Hitze und Durst am Tage, nachts K\u00e4lte und Regen, Eis und Schnee. Seit 12 Tagen nicht die Kleider vom K\u00f6rper, vor 3 Tagen zuletzt gegessen usw. Alles ist nebens\u00e4chlich und bedeutungslos, wichtig ist nur, dass wir Stark und Schlagkr\u00e4ftig bleiben. Wichtig ist einzig und allein, dass die Heimat treu bleibt und sich nicht unterkriegen lasst. Moralisch und seelisch fest sein, ist die Hauptsache f\u00fcr Euch, dann ist alles andere ein Kinderspiel.<\/em><\/p>\n<p><em>Wie geht es Dir und dem S\u00f6hnchen? Wie gerne w\u00e4re ich bei Euch! Jetzt erst kann ich ermessen, wie gut ich es bei Dir hatte, warm und trocken, sicher in guter Hut Ob das alles einmal wieder kommt? Wenn die Zeit es zul\u00e4sst, sehe ich meine Fotos an, die Leica Bilder sind sehr gut gutgeworden. Unser pr\u00e4chtiger Junge, was treibt er jetzt der Goldjunge? Kann er schon Lachen und Erz\u00e4hlen, und Du mein Liebes, wirst Du fertig mit allem? Auch mit den Angriffen der Tommys? Wie gerne w\u00fcrde ich Dir Seife und Tee schicken, aber ich wei\u00df wirklich nicht wie ich es nach Hause schaffen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen habe ich Respekt bekommen vor der gegnerischen Abwehr. Aber die Angriffslust und Kampfesfreude kann mir dadurch niemals genommen werden. Wenn einst das Herzklopfen vor dem Angriff und das Tiefatmen nicht mehr sp\u00fcre und ich nicht mehr n\u00f6tig habe mich zu bezwingen im Moment vor dem Sturz, dann wird mir sehr viel fehlen.<\/em><\/p>\n<p><em>Durch den Tod von Peter Hackfeld bin ich an seiner Stelle getreten und f\u00fchre die 2. Kette. Dadurch hat sich mein Wirkungskreis vergr\u00f6\u00dfert aber auch die Verantwortung f\u00fcr 4 Menschenleben \u00fcbernommen. M\u00f6ge mir alles nach Wunsch gelingen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wohin der Krieg uns noch verschlagen wird, wer wei\u00df es? Ist es Afrika oder Asien? Auf jeden Fall wird unsere Staffel,&#8220; Die k\u00f6nigliche Achte&#8220; \u00fcberall ihre Pflicht tun, ganz gleich wo sie sich befinden m\u00f6ge. Wenn der Krieg einmal beendet sein wird, dann haben auch die Stukas zum Gelingen ihr gut Teil beigetragen. Ich schreibe diesen Brief obgleich ich nicht wei\u00df, von wo ich Ihn zur Heimat schaffen lassen kann. Irgendwann wirst Du ihn schon erhalten. Seit von Versailles fort bin, habe ich noch keine Post von Dir erhalten. Wie magst Du wohl in Sorge um mich sein, nichts von mir h\u00f6rst und keine Nachricht bekommst. Aber wie viele Frauen geht es genauso. Die Gewissheit musst Du immer haben liebe Antje, das der Krieg noch in diesem Jahr beendet sein wird.<\/em><\/p>\n<p><em>Und nun meine Liebe herzliche Gr\u00fc\u00dfe von hier. Ich denke oft an Euch und vergesst Ihr nur Euren Heinz nicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Abgest\u00fcrzt am 18. April 1941 \u00fcber Griechenland.<\/p>\n<p>Geschrieben f\u00fcr die Kyffh\u00e4userkameradschaft am 5.Juni 2017<br \/>\nGerd Mehrtens<\/p>\n<h4 class=\"para-10\"><span class=\"font-40\">Weiterf\u00fchrende Links<\/span><\/h4>\n<p class=\"para-10\"><span class=\"font-8\"><a href=\"https:\/\/taucher.net\/diveinside-stuka-wrack_vor_rhodos_geborgen-kaz2198\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Taucher finden Stuka Wrack vor Rhodos<br \/>\n<\/a><\/span><span class=\"font-8\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Balkanfeldzug_(1941)\">Der Balkan Feldzug (Wikipedia)<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Brief von Heinz Kahl, gefallen als Stukapilot am 18.April 1941 \u00fcber Griechenland Im Felde 16.April 1941 \u201eLiebste beste Antjefrau, Ich sitze in der Maschine, weil es regnet und keine M\u00f6glichkeit vorhanden ist, sich vor der N\u00e4sse zu sch\u00fctzen, es sei in unserem Erdloch, in dem wir \u00fcbernachten. 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